Trailrunning auf dem Fernwanderweg GR221 auf Mallorca

Der GR22, die sogenannte Trockenmauerroute, erstreckt sich über ca. 150 km von Port d´Andratx im Süden Mallorcas bis in den Norden nach Pollenca. Das eindrucksvolle Tramuntana Gebirge sorgt dabei für etwa 6000Hm, der der Wanderer in acht Tagesetappen zurück legt. Die Gummersbacher Trailrunner Frieder, Wim, Andre, Roland und Michael hatten nicht so viel Zeit und liefen den Weg mit minimalem Gepäck in drei Tagen ab.

Hier Tag 1: Peguera – Estellencs | 44 km | 1900 Hm

Man wird schon ungläubig am Flughafen beäugt, wenn man leicht bekleidet und mit kleinem Laufrucksack an der Gepäckabfertigung steht. Zum Glück riechen wir noch frisch geduscht, sonst würden die anderen auch noch die Nase rümpfen. Aber der Rückflug kommt ja auch noch. Los ging es am Donnerstagmittag von Köln. Mit dem Bus bei bestem Wetter nach Peguera in ein kleines Hotel. Auf Empfehlung unseres holländischen Vermieters ging es noch zum besten Spanier diesen Touristenortes, der uns mit viel Energie für den nächsten Tag versorgen sollte. Ein traumhafter Sonnenuntergang machte Vorfreude auf den nächsten Tag.

Schläft man immer so schlecht wenn man 150km vor der Brust hat? Nach einem leckeren Frühstück ging das Projekt GR221 für uns freitagmorgens los! Die 7,5km zum offiziellen Start des Fernwanderwegs liefen wir in Küstennähe und teils über Hinterhöfe ins beschauliche Port d`Andratx. Bei strahlendem Sonnenschein wurden hier die Getränkevorräte aufgefüllt, da dies auf der ersten Etappe ein ernsthaftes Problem darstellt. Man überlegt sich jeden Schluck aus dem Reservoir zwei Mal. Wer sich auf diesem Weg begibt, sollte a) eine gute Karte dabei haben, aber b) ein GPS Gerät mit genauem Track! Wegschilder sind auf diesem Abschnitt des Wegs Mangelware, nur einige duzend Steinmännchen zieren den Weg, allerdings öfters mal in verschiedene Richtungen. Irgendwann hat es uns dann zu der Bucht von San Elm glotzt. Ein kühlendes Bad im Meer als kurze Pause. Jetzt sollten die Höehenmeter der Etappe kommen. Der Weg Richtung Sa Mola des Esclop ist steinig und teilweise nur schwer zu laufen, dafür ist die Aussicht auf die Insel Sa Dragonera vom Aussichtspunkt Josph Sastra ein Highlight. Das Meer liegt einem über 400 m zu Füssen in Form von einer steilen Klippe. Die Gruppe wurde immer mal wieder weit auseinander gezogen, schlechte  Kommunikation als Zünder: „Wim Du alte Gemse“! – Wim verstand leider „Wim Du alte Bremse“ und erhöhte das Tempo bergauf… Der GR221 ist anscheinend kontinuierlich im Wandel, so war ein Abschnitt gesperrt und wird liefen einen Umweg, welcher uns zu dem Refugio XXX bringen sollte. Es gibt an so einem Tag nichts schöneres wenn man (auf deutsch, englisch, spanisch) begrüßt wird „Wasser, oder Cola?“ Wir lieben Dich, Du unbekannter Mann! Etwas zeitversetzt ist dann unsere kleine Trailrunning Gruppe nach Estellencs eingelaufen. Unser Hotel bot uns mehr als wir noch Zeit des Tages hatten, Innenpool, Außenpool, Sauna,… für etwas mehr als 50€ mit Frühstück. Das zaubert einem ein Lächeln ins Gesicht. Der Strand ist 1,5 km vom Ort entfernt, leider auch mit 220m Höhenunterschied, sodass der Pool auf der Dachterrasse dran glauben musste. Beendet wurde der Tag beim (einzigen) Italiener im Ort mit Blick auf dem wieder einmal „awesome“ Sonnenuntergang. Der erste Tag verlief nach Plan, nur André konnte trotz Hunger nicht wirklich viel Essen, da sein Magen dem im Wege stand. Mit gemischten Gefühlen an den nächsten Tag fielen wir irgendwann in einen unruhigen Schlaf…

44 km geschafft33%
Tag 2: Estellencs – Port de Soller | 53,5km | 2264 Hm

Neuer Start, gleiches Problem: Keiner von uns hat richtig gut geschlafen. Zu spät gegessen? Hitzeschlag? Aufregung? Egal, nach einem wieder perfekten Frühstück erst einmal zum MiniSupermarkt im Ort und Vorräte auffüllen. Der junge Mann hinter der Kasse hatte sichtlich Probleme die Kasse aufzubekommen und musste diese in Einzelteile zerlegen. Wir sind uns bis heute nicht sicher, ober er überhaupt zum Laden gehörte…

Der GR221 zeigt sich ab Estellencs in seiner schönsten Form: tolle Steinmauern mit Pfaden, Olivenhainen und grandiose Ausblicke aufs Meer! In Banyalbufar noch einmal in den Minimarkt, Wasser tanken. Leider war keiner hinter dem Tresen, bis eine Einwohnerin die ebenfalls den Laden betrat lautstark rief. Plötzlich schwebte der Inhaber aus der oberen Etage mittels eines Lastenaufzugs ein… Helene Fischer läßt grüßen. Ein Einkaufserlebnis!

Back on track ging es nun der Sonne entgegen bergauf und landeinwärts nach Esporles. Ein tollgeschmückter Ortskern und ein Markt luden hier zum pausieren ein. Der nächste Abschnitt war steil und schlecht ausgeschildert, sodass wir hier zwei (Roland, André) verloren. Zu dumm, dass beide nicht den Track auf der Uhr hatten. Die verbliebenden Drei beschäftigten sich mit dem Bau von Wegzeichen auf dem Berg, damit die beiden vermeidlich folgenden sich daran orientieren konnten. Als der Handyempfang wieder ging erhielten wir einen Anruf, dass beide schon im nächsten Ort, Valldemossa, sind. Vielleicht hat ihnen der Magier aus dem Supermarkt geholfen? Egal, andere Wanderer werden sich über unsere Zeichen freuen. In Valldemossa zeigte sich was sich am Vorabend abgezeichnet hatte. André war völlig kraftlos und setzte die Tour von hier aus per Bus fort. Eine gute Entscheidung, den nach einem herrlichen Mandelkuchen und Cafe con Leche und Cola ging es UP UP UP! Im Stakkato marschierten wir eine nicht endende Betonstraße hoch, später über Steinwege zum Puig de Caragoli. Allen voran Frieder, der hier auf „Gorilla-Modus“ geschaltet hat, was man spätestens an der leicht schiefen Kopfstellung erkennen kann. Leider versperrte am Gipfel der Nebel die bestimmt einmalige Sicht über die Insel. Ab in den Downhill, der sich zum Ende hin eher nach Vietnam als Mallorca anfühlt. Mannshohes Grass, enge Kurven mit Absätzen fordern hier die volle Aufmerksamkeit. In Deia angekommen war daher auch bei allen die Luft so ziemlich raus. Der Ort ist uns von Rennrad-Stopps gut bekannt, so finden wir schnell unsere Quellen und stärken uns mit Pizza, Bier (alc frei), Cola und diesen leckeren Bällchen mit Marzipan. Nur Wim kann gar nichts mehr essen, was sich auf den letzten 15 km noch rächen sollte. So war er gegen Ende der Tour am Leuchtturm am Port de Soller nur noch ein Schatten seiner selbst. Erstaunlich was nun ein halbes Mars bewerkstelligen kann. Genug Energie um die letzten zwei Kilometer runter zurollen und quasi direkt vor der Rezeption unseres Hotels zu stoppen. Auch André war schon hier und begrüßte uns, bzw. zumindest unsere Hüllen. Die Etappe hatte es in sich und man kann sich nicht vorstellen am nächsten Tag wieder zu laufen. Aber kurze Zeit später beim Essen der spanischen Köstlichkeiten direkt am Wasser sieht die Welt schon wieder anderes aus…

97,5 km geschafft66%
Tag 3: Port de Soller – Pollenca | 47,8 km | 1800 Hm

Verflucht! Der Körper muss doch kaputt sein und sich nach Schlaf sehnen! Trotzdem, nach einem leichten einschlafen haben wir alle mit Schlaflosigkeit zu kämpfen und liegen bei herrlichen Blick auf den Hafen wach. Das Zimmer Frieder/Michael diskutiert gegen 04:00 Uhr darüber ob man nicht schon mal los sollte, da aber nur Roland eine Stirnlampe im Gepäck hat, legen wir den Plan wieder zur Seite. Also wie geplant alle man zum wieder leckerem Frühstück. Auch André ist wieder an Bord, mit einem Abbruch will er das lange geplante Unternehmen nicht beenden. Richtig so. Zumal sonntags keine Busse fahren um weiter zu kommen. Um uns allen den Start in die letzte Etappe etwas zu versüßen fahren wir die ersten 5 Kilometer mit der alten Trambahn von Port de Soller nach Soller. Nur um dieses Industriedenkmal einmal hautnah zu erleben natürlich. Der GR221 entfaltet sich sowieso wieder ab Soller – es geht über das malerische Biniaraix durch eine Schlucht 800 m am Stück hoch zum Puig de Lófre, von dem man eine fantastische Aussicht auf den Cuber Stausee hat. Ab nun lassen sich auch mal die Beine in die Hand nehmen und einen (Straßen-) Marathonschnitt laufen. Vorbei am Stausee erreichen wir die Abzweigung zum Refugio Tossals Verds. Diese Schleife lassen wir jedoch aus und laufen das Tempo weiter Richtung Georg Blau. Dieser Abschnitt macht Laune – hohes Tempo, tolle Ausblicke und rechts die offene Wasserleitung mit ständig kühlem Nass! Keine Zurückhaltung mehr! Mit Händen wird das edle Medium gegriffen oder gleich der ganze Kopf reingehalten. Bald schon wechselt allerdings die Ebene in die lange Steigung zum höchsten Punkt der Tour. Der Puig des Massanella wartet schon im Nebel auf uns. Der Trail dort hoch läßt sich gut laufen bzw. gehen, nur die vielen Wanderer (mit großen Rucksäcken) erfordern volle Aufmerksamkeit von uns. Leider ist uns hier auch der Blick in die Ferne verwehrt. Also muss man ja noch mal wiederkommen! Bisher läuft es bei allen an diesem Tag sehr gut. Nachdem der Peak überwunden ist, stehen uns nur noch wenige Höhenmeter vor unserem Ziel, Pollenca, im Weg. Aber wenn man ganz oben ist, muss man ja auch wieder runter. Der ewig lange Downhill zum Kloster Luc fordert noch mal alles. Kindskopfgroße Steine, scharfe Serpentinen oder einfach nur bergab. Die Oberschenkel glühen. Hier kommen zwei Herren groß in Fahrt. Der rolli´n Roland und furios Wim entschwinden bald aus unserem Sichtfeld. Hinterher wird man uns berichten, dass beim bergablaufen nur die Zehen die Steine berühren dürfen. Ah ja. Hohes Tempo bergab hilft nicht, wenn man sich verläuft. Das ist auch eine Weisheit. Deshalb sitzen Frieder, André und Michael schon beim Tunfisch Sandwich, während die beiden zu Mensch gewordenen Kanonenkugeln erst eintreffen. Das Kloster Luc ist jedem Rennradfahrer der Insel bekannt, obwohl nur die wenigsten je hier waren. Die meisten Verbinden mit dem Kloster die Tankstelle etwas weiter über dem Kloster. Im Verkaufsraum hängt auch ein Kreuz, deshalb hat sich wahrscheinlich keiner über die Zapfsäulen gewundert. Nach einem kulturellem Rundgang durch das 1334 gegründete Kloster geht es nur auf die verbleibenden 18 km. Das Ende ist nah! Am zweiten Tag haben wir uns gesagt hoffentlich ist das bald vorbei. Nun kommt schon erste Anzeichen von Wehmut auf. Nur bis wir die letzten Höhenmeter Richtung Puig Tomir gelaufen sind. Dann kommt was kommen muss: Pollenca liegt auf etwas mehr als „0“ m. Wir müssen runter. Also einsteigen diese nicht enden wollende Serpentinenrinne, die anscheinend auch von der hiesigen MTB-Downhill Fraktion genutzt wird. Man fühlt sich wie eine Murmel im Kanal. Eigentlich eine tolle Sache, aber wenn man jeden Tag schon einen Marathon gelaufen ist tut das einfach weh. Auch dieser Berg geht zu Ende und wir erreichen die Ma-10. Von nun an geht es nur noch „stumpf“ vier Kilometer neben der Straße nach Pollenca. Aber wir haben Unterhaltung. Ein Vater mit seinen drei Söhnen der SSV Königswinter hat den GR221 als Etappenlauf gemacht, nur diesen letzten Abschnitt laufen sie gemeinsam. Zwei von uns haben die Familie schon bei ein paar unfreiwilligen Sonderkilometern nach Estellencs kennen gelernt. Pollenca! Wir sind da! Die letzten km bis zu unserem Hotel Port de Pollenca auch noch laufen? Nein! Es reicht. Erst mal ein Dosenbier und dann per Bus ans Meer.

am Ziel: 145,3 km geschafft100%

 

Es tut gut wenn man angekommen ist. Keiner hat sich verletzt, wir hatten viel Spaß, unendliche Eindrücke und etwas „geschafft“. Das Beste ist: der Körper quittierte dieses Finish mit einem tiefen, erholsamen Schlaf!

Und nun? Der GR221 ist Geschichte. Aber Moment mal, es gibt doch noch den GR223 – die Umrundung von Menorca in einer Länge von 200km! 

Never stop exploring.